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Mit Durchsetzungskraft zum Arzttermin? PDF Drucken E-Mail
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Mittwoch, 09 Juli 2008

Müssen gesetzlich Krankenversicherte wirklich länger auf einen Arzttermin waren als Privatversicherte? Dieser heiklen Frage ist eine aktuelle Studie nachgegangen.

(verpd) Die „gefühlte“ Diskriminierung von Kassenpatienten bei den Wartezeiten auf einen Arzttermin hat sich laut einer aktuellen Studie eines Krankenkassenverbandes nicht bestätigt.

Dass Kassenpatienten vor allem bei akuten Beschwerden deutlich länger auf einen Termin beim Arzt warten müssen als Privatversicherte, hängt nach Auffassung der Studienautoren in erster Linie mit ihrem Verhalten zusammen.

Sie müssten lernen, ihre Wünsche und Vorstellungen bei der Terminvergabe besser durchzusetzen. Privatversicherte seien aufgrund ihres im Schnitt höheren Bildungsstandes besser in der Lage, die eigenen Interessen wirksam zu artikulieren.

Privatpatienten bringen mehr

Ob das die wirkliche Ursache für zum Teil deutlich längere Wartezeiten auf einen Arzttermin ist, zog Dr. Andreas Köhler, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), allerdings in Zweifel.

Während der Vorstellung der Studie betonte er, es sei Tatsache, dass privat Versicherte einer Arztpraxis im Schnitt knapp das Zweieinhalbfache dessen einbringen, was ein gesetzlich Versicherter zum Umsatz beiträgt. Das Vergütungssystem trage notgedrungen dazu bei, dass es zwei Arten von Patienten gebe.

Wer Wettbewerb will, muss mit den Folgen leben

„Wenn mehr Wettbewerb im Gesundheitswesen gewünscht und praktiziert wird, dann muss man damit rechnen, dass ein privat Versicherter den besseren Service bekommt, weil er den Praxen mehr Ertrag bringt“, fasste der KBV-Chef zusammen.

Das dürfe sich allerdings nicht auf die Qualität der medizinischen Versorgung beziehen, sondern schlage sich allenfalls in längeren Wartezeiten nieder. Überhaupt sei ja die Qualität der ärztlichen Behandlung nicht Thema der Umfrage gewesen.


Ost-Ärzte haben ein Viertel mehr Patienten

Unterschiede gibt es der Umfrage zufolge aber nicht nur zwischen der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) und der privaten Krankenversicherung (PKV), sondern auch zwischen Ost und West.

Das hängt laut Köhler unter anderem damit zusammen, dass Ärzte in den neuen Bundesländern im Schnitt 21 Prozent mehr Patienten zu behandeln haben als ihre Kollegen im Westteil der Republik. Schon dadurch ließen sich längere Wartezeiten erklären.

Ingesamt suchten 49 Prozent der gut 6.000 Befragten ab 14 Jahren bei akuten Beschwerden ohne Terminvereinbarung ihren Hausarzt und 29 Prozent einen Facharzt auf; weitere 15 bzw. 17 Prozent sind nach einem Anruf noch am selben Tag zum Arzt gegangen und – mit dem Hinweis auf Wartezeit – auch drangekommen.

Schnell zum Krankenschein kommen

Die Zahl der gesetzlich Versicherten, die bei Akutbeschwerden ohne Anmeldung zum Arzt gehen, ist mit 40 Prozent deutlich höher als bei den Privatversicherten (29 Prozent).

„Wahrscheinlich hängt das damit zusammen, dass insbesondere die pflichtversicherten Arbeitnehmer, die in der Regel GKV-Versicherte sind, rasch eine Arbeitsunfähigkeits-Bescheinigung bei einer akuten Erkrankung für ihren Arbeitgeber benötigen“, so ein Sprecher des Krankenkassenverbandes.

Acht Tage bis zum Termin

Als bedenklich muss nach Ansicht des Sprechers der Unterschied bei der Terminvergabe zwischen gesetzlich und privat Versicherten bei akuten Beschwerden eingeschätzt werden. Wenn ein Patient nicht sofort zum Arzt gehe, sondern einen Termin vereinbare, müsse der Kassenpatient acht Tage warten, während der Privatversicherte bereits nach drei Tagen vorsprechen könne.

Bei nicht akuten Beschwerden betrage der Unterschied 26 Tage (GKV-Patient) zu 12 Tagen (PKV-Patient). Dabei könnten nicht nur das Bildungsniveau und das Durchsetzungs-Vermögen der Patienten ausschlaggebend sein. „Die Verdienstchancen der Arztpraxen spielen bei der Terminvergabe natürlich auch eine Rolle“, erklärt der Krankenkassenverband.

Langes Warten beim Chirurgen

Weniger dramatisch sind die Unterschied der Wartezeiten direkt beim Arzt. Hier sitzen GKV-Versicherte im Schnitt 29 Minuten, ihre privat versicherten Leidensgenossen 22 Minuten.

Allerdings weisen hier die Wartezeiten bei den verschiedenen Fachärzten deutliche Unterschiede auf. Während beim Hausarzt mit etwa einer halben Stunde gerechnet werden muss, kommt man beim Zahnarzt nach durchschnittlich 14 Minuten, beim Chirurgen erst nach 42 Minuten dran.

 
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