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Gesetzliche Pflege - keine Vollkaskomentalität PDF Drucken E-Mail
Mittwoch, 12 April 2006

Die gesetzliche Pflegeversicherung (GPV) kann – ähnlich wie die Rentenversicherung im Alter – nur noch eine Art Grundsicherung im Falle der Pflegebedürftigkeit leisten.

 
Die immer noch vorherrschende Auffassung, mit dem Beitrag in die Pflegekasse eine Garantie für Rundum-Pflege eingekauft zu haben, stimmt längst nicht mehr mit der Realität überein. Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache.

So stehen in der Pflegestufe III einer monatlichen Leistung von durchschnittlich etwa 1.400 Euro bei stationärer Pflege (Pflegeheim) tatsächliche Kosten in Höhe von mehr als 3.500 Euro gegenüber.

Wenn dieser Betrag nicht durch eigene Einkünfte des Pflegebedürftigen gedeckt werden kann, wird die Familie herangezogen. Sind auch diese Ressourcen erschöpft bzw. nicht vorhanden, muss der Staat mit Sozialhilfe einspringen.

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2004 betraf das rund 328.000 Menschen, teilte der BKK Bundesverband auf seinem Pflegetag am 5. April mit. Das allerdings widerspricht dem Grundgedanken bei Einführung der sozialen Pflegeversicherung, die den Staat entlasten und verhindern soll, dass Pflegebedürftige fast zwangsläufig zu Sozialfällen werden.

Was die Pflegestufen bedeuten

Stufe I

Stufe II

Stufe III

Täglicher Zeitaufwand für Pflege und Hauswirtschaft: mindestens 90 Minuten

Täglicher Zeitaufwand für Pflege und Hauswirtschaft: mindestens 3 Stunden

Täglicher Zeitaufwand für Pflege und Hauswirtschaft: mindestens 5 Stunden

Grundpflege*: mehr als 45 Minuten

Grundpflege*: mindestens 2 Stunden

Grundpflege*: mindestens 4 Stunden

 

Dynamisierung soll eingeführt werden

Ursachen für das Dilemma gibt es viele: So wurde bislang versäumt, die Pflegeleistungen zu dynamisieren. Das bedeutet, seit dem Start der GPV im Jahr 1995 ist der Wert der Leistungen auf etwa 87 Prozent der damaligen Ausgangswerte gefallen. Die Bundesregierung will hier nun Abhilfe schaffen.

 

Dazu kommt die steigende Zahl von Pflegebedürftigen, die in direktem Zusammenhang mit der Altersstruktur unserer Gesellschaft steht.

 

Wer pflegt Singles?

Aber nicht nur die steigende Lebenserwartung, auch der Geburtenrückgang und der Zerfall der Familie werden sich dramatisch auf die Situation in der Pflege auswirken: Während heute noch gut zwei Drittel der mehr als zwei Millionen Pflegebedürftigen zu Hause von Angehörigen betreut werden, wird künftig die – deutlich teurere – Heimbetreuung an Gewicht zunehmen.

Schon seit 1999 arbeitet die GPV mit steigenden Defiziten, da immer mehr Pflegebedürftige immer weniger Beitragszahlern gegenüber stehen. Ein Minus von 365 Millionen Euro wies das Statistische Bundesamt für 2005 aus: Bei Einnahmen von 17,5 Milliarden Euro gab es Ausgaben von 17,9 Milliarden.

 

Größte tickende Zeitbombe

„Die Rücklagen reichen bei einem Beitragssatz von 1,7 Prozent nur noch wenige Jahre”, malte Matthias Ritz von der Deutschen BKK ein wenig rosiges Bild. Und Finanzexperte Professor Bernd Raffelhüschen kennzeichnete die Pflegeversicherung in einem Interview der WirtschaftsWoche vom Februar 2006 als „die größte tickende Zeitbombe unseres gesamten Sozialsystems.”

Das könnte sich noch verschärfen, wenn die bis zu 2,2 Millionen Demenzkranken dazukommen, die heute nach Beobachtung des BKK Bundesverbandes oft nicht durch den Begriff der Pflegebedürftigkeit nach § 14 SGB XI erfasst sind.

Vorstand K.-Dieter Voß warnte allerdings vor übertriebenen Erwartungen. Zwar sei hier eine Korrektur notwendig, doch müssten auch entsprechend angepasste Leistungen folgen.

 

Nicht mal eine Million Zusatzversicherungen

Einziger Ausweg aus der Kostenfalle, die bei Pflegebedürftigkeit fast zwangsläufig zuschnappt, ist rechzeitige private Vorsorge. Das hat die Mehrzahl der Bundesbürger allerdings – anders als bei der Rente – noch nicht verinnerlicht. Nur 800.000 private Pflege-Zusatzversicherungen gibt es laut Verband der Privaten Krankenversicherer derzeit in Deutschland.

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Und: Fast die Hälfte der über 50jährigen hat sich bislang weder über die Möglichkeiten noch über die Kosten der Pflege informiert, wie Christoph Naucke von den KarstadtQuelle Versicherungen – Bezug nehmend auf den aktuellen Altenpflege-Monitor der Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen – ausführte.

 

Letztgenannte bietet etwa eine Pflegetagegeld-Versicherung für die Pflegestufen II und III in Höhe von täglich bis zu 150 Euro. Beispiel: Eine 55jährige Frau zahlt monatlich 51,52 Euro ein und erhält bei vollstationärer Pflege in der Stufe II bzw. bei Pflegestufe III monatlich 1.200 Euro ausgezahlt.

 

 

 
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